{"id":1703,"date":"2017-12-16T21:36:45","date_gmt":"2017-12-16T20:36:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=1703"},"modified":"2025-10-18T13:40:06","modified_gmt":"2025-10-18T11:40:06","slug":"die-krebsscheren-der-suderlacke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/die-krebsscheren-der-suderlacke\/","title":{"rendered":"Die Krebsscheren der Suderlacke"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wo die Lobgrundstra\u00dfe, die unmittelbar am Tanklager Lobau vorbeif\u00fchrt, einen beinahe rechtwinkeligen Knick macht, liegt ein weithin unbekannter, schwer zug\u00e4nglicher T\u00fcmpel mit steilen Ufern, der eine botanische Spezialit\u00e4t zu bieten hat.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1705 alignleft\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171210_152904.jpg\" alt=\"\" width=\"454\" height=\"255\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171210_152904.jpg 2560w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171210_152904-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171210_152904-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171210_152904-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/20171210_152904-71x40.jpg 71w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/>Die \u201eSuderlacke\u201c, wie sie von alten Waldl\u00e4ufern genannt wird, grenzt im Osten fast unmittelbar an einen Zaun. Sie wurde dereinst ausgebaggert \u2013 vermutlich im Zuge der Errichtung des Tanklagers Anfang der 1970er-Jahre. In der Literatur findet man sie auch unter den Bezeichnungen \u201eWeiher am \u00d6llager\u201c oder \u201e\u00d6llagert\u00fcmpel\u201c.<\/p>\n<p>Einen sichtbaren Zu- oder Abfluss hat das rund 3000 Quadratmeter gro\u00dfe Gew\u00e4sser nicht; der Wasserstand schwankt intensiv. Umgefallene, tote B\u00e4ume liegen kreuz und quer.<\/p>\n<p>Bis zur Panozza-Lacke sind es knapp 500 Meter Luftlinie.<\/p>\n<p>An den Ufer der Suderlacke kann man Reiher beobachten, sie wird von Bibern bewohnt, von Seefr\u00f6schen, Ringelnattern, einer gro\u00dfen Artenvielfalt von Libellen &#8230; und von zahllosen Giebeln (eine Fischart).<\/p>\n<p>Die Unterwasser-Flora der Suderlacke ist \u00fcberraschend vielf\u00e4ltig:&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bl\u00fcte-Krebsschere-WIKIPEDIA.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1706 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bl\u00fcte-Krebsschere-WIKIPEDIA-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bl\u00fcte-Krebsschere-WIKIPEDIA-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bl\u00fcte-Krebsschere-WIKIPEDIA-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bl\u00fcte-Krebsschere-WIKIPEDIA-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bl\u00fcte-Krebsschere-WIKIPEDIA.jpg 1296w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a>Am h\u00e4ufigsten sind das Gemeine Hornblatt (<em>Ceratophyllum demersum<\/em>), der Froschbiss (<em>Hydrocharis morsus-ranae<\/em>), der Gew\u00f6hnliche Wasserschlauch (<em>Utricularia vulgaris<\/em>), die Kleine Wasserlinse (<em>Lemna minor<\/em>) &#8211; und die Krebsschere (<em>Stratiotes aloides<\/em>), eine Schwimmpflanzenart, die in den Roten Listen \u00d6sterreichs als \u201evom Aussterben bedroht (Kat. 1)\u201c gef\u00fchrt wird. In der Suderlacke findet man diese Rarit\u00e4t in Zehntausenden Exemplaren \u2013 der vitalste Krebsscheren-Teppich der gesamten Donau-Auen \u00f6stlich von Wien.<\/p>\n<p>Im Hochsommer bedecken die Krebsscheren vierzig Prozent der Wasseroberfl\u00e4che. Botaniker haben die Zahl der Individuen auf etwa 20.000 St\u00fcck gesch\u00e4tzt. Zwischen Mai und Juli stehen sie in Bl\u00fcte.<\/p>\n<p>Das Vorkommen scheint jedoch nicht \u201enat\u00fcrlich\u201c zu sein, denn soweit man wei\u00df, sind die Pflanzen seinerzeit von \u201eAuenliebhabern\u201c (Anm.: Biologie-Studenten?) hier eingebracht worden \u2013 und zwar aus der benachbarten Panozza-Lacke, wo es angeblich so aussah, als w\u00fcrden sie \u00fcber kurz oder lang von Badeg\u00e4sten, Anglern und Bootsbetrieb dezimiert werden.<\/p>\n<p>Der Naturfotograf Norbert Sendor, der die Lobau seit 65 Jahren durchwandert, erinnert sich hingegen, er h\u00e4tte seinerzeit geh\u00f6rt, dass es \u201edie Fischer\u201c gewesen w\u00e4ren, die die Krebsscheren der Panozzalacke evakuiert und in die Suderlacke transportiert h\u00e4tten \u2013 jedoch nicht aus Gr\u00fcnden des Naturschutzes, sondern weil die dichten, stacheligen Teppiche der Pflanzen das Angeln behindert h\u00e4tten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_240\" aria-describedby=\"caption-attachment-240\" style=\"width: 468px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-240\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Eckartsau-in-Arm-der-vom-Damm-weggeht-1970er-Jahre-a-300x188.jpg\" alt=\"\" width=\"468\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Eckartsau-in-Arm-der-vom-Damm-weggeht-1970er-Jahre-a-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Eckartsau-in-Arm-der-vom-Damm-weggeht-1970er-Jahre-a-768x482.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Eckartsau-in-Arm-der-vom-Damm-weggeht-1970er-Jahre-a-487x304.jpg 487w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Eckartsau-in-Arm-der-vom-Damm-weggeht-1970er-Jahre-a-563x353.jpg 563w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Eckartsau-in-Arm-der-vom-Damm-weggeht-1970er-Jahre-a.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-240\" class=\"wp-caption-text\">Krebsscheren bei Eckartsau (Foto: Norbert Sendor, 1970er-Jahre)<\/figcaption><\/figure>\n<p>1846 vermerkt der Vegetationskundler August Neilreich in seiner \u201eFlora von Wien\u201c, dass die Krebsscheren \u201ein den S\u00fcmpfen der Donau stellenweise h\u00e4ufig\u201c seien.<\/p>\n<p>Zum Beispiel \u201eim Sumpfe zwischen dem Augarten und der Brigittenau, im Krieauer Wasser, im Prater, in der Schwarzen Lacke (Anm.: in Floridsdorf), und am h\u00e4ufigsten in der Lobau.\u201c<\/p>\n<p>Heute gibt es signifikante Vorkommen \u2013 abgesehen von der Suderlacke &#8211; nur noch im nicht weit davon entfernten Tischwasser und stromabw\u00e4rts bei Eckartsau.<\/p>\n<p>Kein Wunder, diese Pflanzen werden gemeinhin durch Hochwasser verbreitet \u2013 und das ist in den Donauauen mittlerweile ein seltenes Ereignis.<\/p>\n<p>Ab Ende Oktober lassen sich die Krebsscheren auf den Grund des Gew\u00e4ssers sinken. Die \u00e4u\u00dferen Bl\u00e4tter sterben ab und es bilden sich Winterknospen. Auf diese Weise \u00fcberstehen sie unbeschadet die kalte Jahreszeit. Im Fr\u00fchling steigen die Winterknospen an die Oberfl\u00e4che und bilden Bl\u00e4tter.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1090283_20190602_Lobau_Suderlacke_komp.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2947 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1090283_20190602_Lobau_Suderlacke_komp-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"341\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1090283_20190602_Lobau_Suderlacke_komp-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1090283_20190602_Lobau_Suderlacke_komp-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1090283_20190602_Lobau_Suderlacke_komp-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><\/a>Auch die Herzen der alten Blattrosetten steigen nach der \u00dcberwinterung am Grund wieder nach oben und wachsen weiter. Nat\u00fcrlich funktioniert das alles nur, wenn das Wasser gen\u00fcgend tief ist.<\/p>\n<p>Im Winter ist der Wasserstand in der Lobau oft so j\u00e4mmerlich gering, dass in der Suderlacke ein gro\u00dfer Teil der Krebsscheren zu vertrocknen scheint.<\/p>\n<p>Aber jedes Fr\u00fchjahr tauchen sie zaghaft aus dem Schlamm wieder nach oben und verleihen der Lacke alsbald frisches Gr\u00fcn.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Fotos: Norbert Sendor, Martina Staufer, Manfred Christ<\/em><\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Hudler, Andreas (2014): Populationsbiologie und Gef\u00e4hrdung der Krebsschere (<em>Stratiotes aloides L.<\/em>) in Au-Gebieten der Donau in Nieder\u00f6sterreich und Wien (Masterarbeit, M\u00e4rz 2014)<\/li>\n<li>Vielberth, Jakob (2015): Die Makrophyten der Altw\u00e4sser mit <em>Stratiotes aloides<\/em> in Nieder\u00f6sterreich und Wien und ihre Beeinflussung durch landwirtschaftliche Nutzung (Masterarbeit, September 2015)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo die Lobgrundstra\u00dfe, die unmittelbar am Tanklager Lobau vorbeif\u00fchrt, einen beinahe rechtwinkeligen Knick macht, liegt ein weithin unbekannter, schwer zug\u00e4nglicher T\u00fcmpel mit steilen Ufern, der eine botanische Spezialit\u00e4t zu bieten hat. Die \u201eSuderlacke\u201c, wie sie von alten Waldl\u00e4ufern genannt wird, grenzt im Osten fast unmittelbar an einen Zaun. Sie wurde dereinst ausgebaggert \u2013 vermutlich im Zuge der Errichtung des Tanklagers Anfang der 1970er-Jahre. 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