{"id":163,"date":"2016-12-26T21:08:21","date_gmt":"2016-12-26T20:08:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=163"},"modified":"2023-01-14T21:27:39","modified_gmt":"2023-01-14T20:27:39","slug":"biografie-der-streitbare-umweltschuetzer-anton-klein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/biografie-der-streitbare-umweltschuetzer-anton-klein\/","title":{"rendered":"Der\u00a0streitbare Umweltsch\u00fctzer Anton Klein &#8211; seine Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5318 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert-189x300.png\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert-189x300.png 189w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert-644x1024.png 644w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert-768x1220.png 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert-967x1536.png 967w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert-1289x2048.png 1289w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kindheit-restauriert.png 1762w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><strong>Anton Klein wurde am 22. Juli 1925 in Wien geboren und verbrachte seine Jugend in Erdberg, dem 3. Wiener Gemeindebezirk.<\/strong><\/p>\n<p>Seine Naturbegeisterung nahm im Alter von knapp sechs Jahren ihren Anfang, als der kleine Toni in einer Tierhandlung einen Europ\u00e4ischen Hundsfisch zu Gesicht bekam. Er sollte ihm fortan nicht mehr aus dem Kopf gehen.<\/p>\n<p>Immer wieder zog er seinen Vater zu dieser Tierhandlung, bis dieser schlie\u00dflich nachgab und den Fisch erwarb. Weil es im Handel noch keine Luftpumpen gab, galten Goldfische und Hundsfische in dieser Zeit als die einzigen Arten, die sich \u00fcber l\u00e4ngere Zeit gut in Aquarien halten lie\u00dfen. Toni Kleins Hundsfisch wurde bald mit Moderlieschen und Guppys vergesellschaftet und erreichte das stolze Alter von etwa sechs Jahren.<\/p>\n<p>Die N\u00e4he zum Donaustrom und den in Wien parallel verlaufenden Donaukanal pr\u00e4gten schon damals Kleins Gedanken und seine Tr\u00e4ume:<\/p>\n<p><em>\u201eAls Kind schon, wie ich r\u00fcber zum Donaukanal gegangen bin, da sind wir gestanden und das Wasser hat sich gedreht, hat so gespiegelt. Da haben wir H\u00f6lzerl reingeworfen und gewusst: Die schwimmen jetzt ins Schwarze Meer hinunter. Da war immer dieser Traum, einmal da unten das Meer und die ganze Donau zu erleben.\u201c<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5319\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert-300x190.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert-1024x649.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert-768x487.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert-1536x974.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert-174x111.jpg 174w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Radfahrer-Klein-restauriert.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><\/a><strong>Als Jugendlicher lernte er den Beruf des Werkzeugmachers. Mit 18 Jahren wurde er als Soldat an die Front geschickt. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Nach dem Krieg besuchte Anton Klein die Polizeischule, schaffte die Externisten-Matura und erreichte bei der Exekutive im Lauf der Jahrzehnte den Dienstgrad eines Bezirksinspektors.<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs war er auf einem Posten s\u00fcdlich von Wien stationiert, wo man ihn alsbald \u201eden Reiher\u201c nannte, weil Klein stets, mit Netz und K\u00fcbel bewaffnet, die Dorfteiche nach Amphibien und Plankton durchsuchte \u2013 und Hundsfische fing.<\/p>\n<p>Anfang der 1950er-Jahre verbrachte er seine Freizeit mit Vorliebe am Freudenauer Winterhafen, der in diesen Tagen wegen seines meist klaren Wassers als Paradies galt. Angespornt von den B\u00fcchern und Filmen des Tauchpioniers Hans Hass unternahm dort eine Gruppe Gleichaltriger rund um Anton Klein (darunter auch <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/norbert-sendor-seit-1953-in-der-lobau\/\">Norbert Sendor<\/a>) erste Freitauchversuche \u2013 und wie Hans Hass jagten sie Fische mit der Harpune:<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Anton-Klein-restauriert.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5320 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Anton-Klein-restauriert-204x300.png\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Anton-Klein-restauriert-204x300.png 204w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Anton-Klein-restauriert-698x1024.png 698w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Anton-Klein-restauriert-768x1127.png 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Anton-Klein-restauriert.png 1014w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a>\u201eDa war damals der Hans Hass, und da haben wir geglaubt, wir sind Helden, wenn wir so wie er harpuniert haben. Und dann haben wir auch Hunger gehabt, das war Nachkriegszeit. Und wann Du einen Rucksack voll Fische gehabt hast, dann hast Du was zum Bei\u00dfen gehabt. Und wenn ich einen Aal geschossen habe, am Sonntag in der Alten Donau &#8211; da war nat\u00fcrlich alles voller Boote &#8211; da hab ich den Aal in ein Handtuch wickeln m\u00fcssen, damit die Leute nicht zu schreien anfangen, und ihn unter Wasser umbringen m\u00fcssen. Und da hab ich gesehen, was ich f\u00fcr ein grauslicher M\u00f6rder bin, dass ich mich selber nicht mehr anschauen hab k\u00f6nnen und hab mir gedacht, dass ich all die S\u00fcnden, die ich da begangen hab, einmal abb\u00fc\u00dfen werd m\u00fcssen, f\u00fcrchterlich.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Im Oktober 1958 tritt Klein zum ersten Mal in die \u00d6ffentlichkeit \u2013 in der Zeitung \u201eNatur und Land\u201c des \u00d6sterreichischen Naturschutzbundes:<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eRayonsinspektor Anton Klein von der Sicherheitswache Mannsw\u00f6rth\u201c<\/em> berichtet darin von drei Silberreihern, die er <em>\u201eam 27. Juli anl\u00e4sslich einer Fahrradstreife\u201c <\/em>am Donauufer beobachten konnte. Die Schriftleitung der Zeitschrift bemerkte dazu, dass er <em>\u201e \u2026 in vorbildlicher Weise eine Beobachtung wiedergibt, die nicht nur fachlich au\u00dferordentlich interessant ist, sondern auch ein hervorragendes Zeugnis f\u00fcr die Naturverbundenheit des beobachtenden Polizeibeamten darstellt!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Klein war gewisserma\u00dfen kein typischer Polizist. Sein jahrzehntelanger Weggef\u00e4hrte Norbert Sendor erinnert sich: <em>\u201eDa hab ich so Episoden geh\u00f6rt, also irgendwelche einfachen Leute, die halt Mundraub betrieben haben, denen hat er zehn Schilling gegeben und hat gesagt: Kauf Dir eine Suppe im Wirtshaus und geh nimmer stehlen! Und irgendwelche Kapazunder halt, die was angestellt haben, die hat er halt mit harten Polizeimethoden behandelt. Das ist ihm nicht immer gut bekommen. Er war stolz drauf, dass er in seiner ganzen Polizeilaufbahn kein einziges Mal eine Waffe in die Hand genommen hat, au\u00dfer bei dem Pflichtzielschie\u00dfen, das sie gehabt haben, sagt er, aber sonst hat er nie eine Waffe anger\u00fchrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-167 alignleft\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/LOGO-Verein-Zierfischfreunde-Donaustadt-1964-1972-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/LOGO-Verein-Zierfischfreunde-Donaustadt-1964-1972-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/LOGO-Verein-Zierfischfreunde-Donaustadt-1964-1972-95x62.jpg 95w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/LOGO-Verein-Zierfischfreunde-Donaustadt-1964-1972.jpg 722w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/>In den 60er-Jahren widmet sich Klein zun\u00e4chst mit ganzem Herzen tropischen Zierfischen. <strong>Irgendwann, gesichert ab 1968, wird er Mitglied des Aquarienvereins \u201e<a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/zierfisch-freunde-gruendung\/\">Zierfischfreunde Donaustadt<\/a>\u201c im 22. Gemeindebezirk, wo mittlerweile auch seine Wohnung lag.<\/strong> Deren Adresse: Steigenteschgasse 94. Das Kellerlokal des Aquarienvereins in der Wagramerstra\u00dfe 97 lag zu Fu\u00df nur acht Minuten entfernt. Hier standen Anton Kleins Zuchtaquarien.<\/p>\n<p>Im Oktober 1968 wurde der Polizeibeamte zum Schriftf\u00fchrer gew\u00e4hlt. <strong>Im M\u00e4rz 1969 bringt er bereits eine eigene Vereinszeitschrift heraus. Er nennt sie \u201e<a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/category\/geschichte\/steckenpferd\/\">Das Steckenpferd \u2013 Fibel f\u00fcr Aquarianer und Terrarianer<\/a>\u201c. Sie sollte wenige Jahre sp\u00e4ter nicht nur von Zierfischen erz\u00e4hlen, sondern zu einem Sprachrohr der Wiener Naturschutzbewegung werden.<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang von Kleins Initiativen f\u00fcr Natur und Umwelt stand die Beobachtung, dass in Wien immer mehr T\u00fcmpel verlanden oder zugesch\u00fcttet werden. F\u00fcr Zierfischliebhaber waren diese Kleingew\u00e4sser von gro\u00dfer Bedeutung, konnte man hier doch mit feinen Netzen Plankton fangen, das als Nahrung f\u00fcr das gute Leben und die Nachzucht von Aquarienfischen damals unersetzlich war.<a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Cover-STECKENPFERD-September-1969.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-170\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Cover-STECKENPFERD-September-1969-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"261\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Cover-STECKENPFERD-September-1969-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Cover-STECKENPFERD-September-1969-768x1081.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Cover-STECKENPFERD-September-1969-728x1024.jpg 728w\" sizes=\"auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Klein wollte sich dagegen wehren und schrieb kurzerhand an den Wiener B\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bruno_Marek\">Bruno Marek<\/a> einen Brief. In diesem forderte er \u2013 auch im Namen des \u201e\u00d6sterreichischen Verbandes der Aquarien- und Terrarienvereine\u201c &#8211; das Vertiefen verlandeter T\u00fcmpel in der Lobau, im Prater und in Albern, das Anlegen von T\u00fcmpeln auf der geplanten Donauinsel und das Zugest\u00e4ndnis der Stadt, dass es Aquarianern in Zukunft erlaubt sei, in den Teichen der st\u00e4dtischen Parkanlagen Wasserfl\u00f6he, Ruderfu\u00dfkrebse und anderes Plankton zu erbeuten.<\/p>\n<p>Marek antwortete, es kam zu einem Termin im Rathaus (17. Juli 1969), zu Gespr\u00e4chen mit Vertretern des Magistrats \u2013 und damit hatte es sich. Klein war entt\u00e4uscht (\u201e<em>ablehnende Antworten und leere Versprechen<\/em>\u201c), hatte aber nun das Naturschutz-Virus in sich aufgenommen. Die T\u00fcmpel, die Lobau und die einheimischen Fische waren es, die ihn von diesem Zeitpunkt an \u00fcber alle Ma\u00dfen besch\u00e4ftigten. Seine Zeitschrift \u201eDas Steckenpferd\u201c, die ihn eine Menge Geld kostete, wandelte er allm\u00e4hlich von einem Aquarianerblatt in eine Streitschrift f\u00fcr Natur- und Umweltschutz um.<\/p>\n<p><em>\u201eFr\u00fcher, als ich noch nicht Zeitungsherausgeber war, betreute ich im Kellerraum \u00fcber hundert Warmwasserbecken mit vielen exotischen Fischarten. Heute kann ich mir nicht einmal mehr eines <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2316 alignright\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Unterschriftenliste-Die-Lobau-darf-nicht-sterben-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Unterschriftenliste-Die-Lobau-darf-nicht-sterben-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Unterschriftenliste-Die-Lobau-darf-nicht-sterben-768x1090.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Unterschriftenliste-Die-Lobau-darf-nicht-sterben-721x1024.jpg 721w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/>leisten. Daf\u00fcr aber entdeckte ich wieder meine Liebe f\u00fcr unsere einheimischen Fische. Allein schon deshalb lohnte es sich, dass ich Zeitungsherausgeber wurde.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Im November 1969 wandte sich Klein zum ersten Mal mutig, aber ergebnislos an die Medien<\/strong>, an die \u201eKronen-Zeitung\u201c, bei der er f\u00fcr einen \u201eFarb-Dia-Wettbewerb\u201c Reklame machte, den die \u201e<em>Zierfischfreunde Donaustadt zur F\u00f6rderung des Tier- und Naturschutzgedankens und zur L\u00f6sung des T\u00fcmpelproblems<\/em>\u201c veranstalten wollten.<\/p>\n<p>Kleins Engagement wuchs von Monat zu Monat. Am 7. August 1970 starb seine Mutter Amalia an Krebs. <strong>Im Fr\u00fchjahr verfasste er einen Brief an Bundeskanzler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bruno_Kreisky\">Bruno Kreisky<\/a>, in dem er sich auf eine Rede Kreiskys zur Industrialisierung des Donautales bezog.<\/strong><\/p>\n<p>Der Kanzler antwortete am 6. Juni 1970. Die Kerns\u00e4tze: \u201e<em>Man wird die industrielle Entwicklung nicht aufhalten k\u00f6nnen. Im Gegenteil, wir haben viele Gr\u00fcnde, sie besonders zu f\u00f6rdern.<\/em>\u201c Kreisky f\u00fcgte zwar noch hinzu, dass dies mit einer Verpflichtung verbunden sei, dem Umweltschutz mehr Gewicht beizumessen, Anton Klein konnte Bruno Kreiskys Antwort dennoch nicht akzeptieren. Nach einem unverbl\u00fcmten Retourschreiben blieb der Kanzler eine zweite Antwort schuldig.<\/p>\n<p>Nun galt es, die Lobau zu retten. Denn das Tanklager beim \u00d6lhafen sollte ausgebaut werden, auf einer bekannten Orchideenwiese wurde mit dem Bau eines kalorischen Kraftwerks begonnen und durch den Bau der Donauinsel stand die Zerst\u00f6rung des naturbelassenen \u00dcberschwemmungsgebietes bevor.<\/p>\n<p><strong>Im Juli 1970 kreierte Anton Klein f\u00fcr seine Aktivit\u00e4ten den Slogan \u201eLobau darf nicht sterben!\u201c \u2013 in Anlehnung an den ber\u00fchmten Film \u201eSerengeti darf nicht sterben\u201c von Bernhard und Michael Grzimek.<\/strong><\/p>\n<p>Klein veranstaltete T\u00fcmpel- und Fototouren, Fotowettbewerbe, er organisierte Vortragsveranstaltungen in Sachen Lobau und versuchte, mit Hilfe seiner Zeitschrift eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit zur erreichen \u2013 was ihm jedoch nicht gelang.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5321 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-Juli-1972-ORF-300x234.jpg\" alt=\"\" width=\"404\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-Juli-1972-ORF-300x234.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-Juli-1972-ORF-1024x798.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-Juli-1972-ORF-768x599.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-Juli-1972-ORF-1536x1198.jpg 1536w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-Juli-1972-ORF-2048x1597.jpg 2048w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16-Juli-1972-ORF-117x91.jpg 117w\" sizes=\"auto, (max-width: 404px) 100vw, 404px\" \/><strong>Erst am 16. Juli 1972 wurde er geh\u00f6rt. An diesem Tag, einem Sonntag, strahlte der ORF eine Folge seiner erfolgreichen Diskussionssendung \u201eIn eigener Sache\u201c aus, die der sp\u00e4tere Wiener B\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Helmut_Zilk\">Dr. Helmut Zilk<\/a> pr\u00e4sentierte.<\/strong> Klein meldete sich f\u00fcr drei Minuten zu Wort und warnte live und beherzt vor der Zerst\u00f6rung der Lobau. Es kam zu einem regen Gespr\u00e4ch, in welcher der anwesende Tierprofessor und Fernsehstar Otto Koenig f\u00fcr Kleins Anliegen Partei ergriff. Von nun an war \u201eLobau darf nicht sterben!\u201c in aller Munde.<\/p>\n<p>Wenige Wochen sp\u00e4ter beschloss der Wiener Gemeinderat in der Lobau 73 Hektar Industriegebiet wieder als Gr\u00fcnland zu widmen und verk\u00fcndete sogar die Absicht, einen Teil der Lobau zum Naturschutzgebiet zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Klein n\u00fctzte den guten Wind und landete bei Helmut Zilks \u201eIn eigener Sache\u201c am 10. September neuerlich einen Coup. Diesmal meldete er sich zum Thema \u201eStiefkind Radfahrer\u201c, pl\u00e4dierte wortgewaltig f\u00fcr einen Radfahrweg \u00fcber die neu errichtete 4. Donaubr\u00fccke (\u201ePraterbr\u00fccke\u201c) und schloss wie erwartet mit einem Appell zur Rettung der Lobau.<\/p>\n<p><strong>Im Rausch des Erfolges organisierte er eine Woche sp\u00e4ter, am 17. September, die erste \u00f6sterreichische Radfahrer-Demo.<\/strong> Unter gr\u00f6\u00dfter Beachtung der Medien kamen den Erz\u00e4hlungen nach etwa zweitausend Radfahrer bei der Br\u00fccke am linken Donauufer zusammen, um nach dem Anh\u00f6ren einiger geschliffener Reden gemeinsam in die Lobau zu pilgern \u2013 im Interesse des Umwelt- und Naturschutzes.<\/p>\n<p>Nun hatte Klein erstklassige Karten in der Hand. Am 13. Oktober schrieb ihm der Wiener B\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Felix_Slavik\">Felix Slavik<\/a>, dass die Stadtverwaltung eine Trendumkehr vom Auto zum Fahrrad begr\u00fc\u00dfen und dementsprechend unterst\u00fctzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Er\u00f6ffnung-des-Lobaumuseums-11-Nov-1972-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-172\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Er\u00f6ffnung-des-Lobaumuseums-11-Nov-1972-3-300x231.jpg\" alt=\"\" width=\"391\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Er\u00f6ffnung-des-Lobaumuseums-11-Nov-1972-3-300x231.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Er\u00f6ffnung-des-Lobaumuseums-11-Nov-1972-3-768x592.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Er\u00f6ffnung-des-Lobaumuseums-11-Nov-1972-3-1024x789.jpg 1024w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Er\u00f6ffnung-des-Lobaumuseums-11-Nov-1972-3-117x91.jpg 117w\" sizes=\"auto, (max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><\/a><strong>Am 10. November 1972 berichtete endlich die Kronen-Zeitung unter der \u00dcberschrift \u201eDie Lobau darf nicht sterben!\u201c Am Tag danach er\u00f6ffneten die Zierfischfreunde Donaustadt in ihrem Kellerlokal eine \u201eLobau-Ausstellung\u201c, das sp\u00e4tere \u201eLobau-Museum\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Zu sehen waren vor allem Tier- und Naturfotos der beiden Fotografen <a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/franz-antonicek-der-waldlaeufer-mit-der-kamera\/\">Franz Antonicek<\/a> und Norbert Sendor und eine Vielzahl von Aquarien mit heimischen Fischen (t\u00e4glich von 17 bis 20 Uhr).<\/p>\n<p>Am 18. Dezember wurde die Initiative des Polizeioberinspektors Klein durch ein Schreiben aus dem Olymp belohnt: Der ber\u00fchmte deutsche Zoologe, Fernsehstar, Zoodirektor, Pr\u00e4sident der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft und Oscar-Preistr\u00e4ger (1960 f\u00fcr die beste Dokumentation) Dr. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernhard_Grzimek\">Bernhard Grzimek<\/a> schrieb Anton Klein einen pers\u00f6nlichen Brief, in dem er ihm volle Unterst\u00fctzung und jeden medialen Beistand zusagte.<\/p>\n<p>Zeitungen und Fernsehen blieben Anton Klein 1973 weiter gewogen: Am 7. Juni wurde er vom ORF zu einer exklusiven Fernsehdiskussion mit dem Titel \u201eStirbt die Lobau?\u201c eingeladen. Klein kam direkt vom Begr\u00e4bnis seiner Schwester Margarethe (die ebenso wie seine Mutter an Brustkrebs gestorben war) ins Studio und nutzte die Sendung f\u00fcr einen beherzten Aufruf, sich endlich zu besinnen: \u201eWenn die Lobau stirbt, dann stirbt auch Wien!\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/FORDERUNG-NATIONALPARK-LOBAU-Krone-1974.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-174\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/FORDERUNG-NATIONALPARK-LOBAU-Krone-1974-203x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/FORDERUNG-NATIONALPARK-LOBAU-Krone-1974-203x300.jpg 203w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/FORDERUNG-NATIONALPARK-LOBAU-Krone-1974-768x1137.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/FORDERUNG-NATIONALPARK-LOBAU-Krone-1974-692x1024.jpg 692w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/FORDERUNG-NATIONALPARK-LOBAU-Krone-1974.jpg 857w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><strong>Am 11. J\u00e4nner 1974 fordert Klein in einem historischen Interview in der Kronen-Zeitung als erster in aller \u00d6ffentlichkeit die Errichtung eines Nationalparks.<\/strong><\/p>\n<p>In etwa zur selben Zeit&nbsp;ging es mit den Zierfischfreunden Donaustadt zu Ende. Ihr Obmann baute den Aquarienverein ab 1973 in einen \u201eVerband f\u00fcr Umweltschutz und Gesundheitssport\u201c um.<\/p>\n<p>Die \u201cLobau-Ausstellung\u201c im Keller des Gemeindebaus an der Wagramerstra\u00dfe wanderte schlie\u00dflich mit Mann und Maus in ein historisches Geb\u00e4udeensemble inmitten der Oberen Lobau. Hier errichteten Kleins Leute ein beh\u00f6rdlich anerkanntes \u201eLobau-Museum\u201c, das am 16. M\u00e4rz 1975 feierlich er\u00f6ffnet wurde \u2013 und bis 2009 fortbestehen sollte.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_6049.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-176\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_6049-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"344\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_6049-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_6049-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_6049-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><\/a>\u201eAll die Moose, Flechten, die Algen &#8211; das braucht Zeit, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Da muss man oft herkommen. Das ist nicht ein Museum, das man hei\u00dfhungrig herunter schlingt wie eine Wurstsemmel, sondern eine wertvolle Bereicherung f\u00fcr das Verstehen des Lebens. Und wenn man das Leben verstanden hat, begreift man auch, wie wir&nbsp;<\/em><em>\u00fcberleben k\u00f6nnen. <\/em><em>Und dann wird man die Natur auch in ihrer paradiesischen Herrlichkeit verstehen k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>In letzter Konsequenz \u00fcbersiedelte Klein mit seiner Gattin Elfriede (\u2020 2018) mitten hinein in die Donauauen, nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stopfenreuth_(Gemeinde_Engelhartstetten)\">Stopfenreuth<\/a>, radelte von da an mehrmals in der Woche stromaufw\u00e4rts in \u201esein\u201c Museum, hielt dort die Rolle des \u00f6ffentlichen Mahners und streitbaren Kritikers unbeirrt aufrecht und blieb bis ins hohe Alter.<\/p>\n<p><em>\u201eKein Mensch mag den Kritiker, aber Kritik ist \u00fcberlebensnotwendig. Denn bisher hat sich gezeigt, dass die Kritik den Nationalpark gebracht hat, den Schutz gebracht hat, ein Umdenken auf breitester Basis erfolgt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Am 2. Mai 2013 ging Anton Kleins Leben nach fast 88 Jahren zu Ende. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof bestattet.<\/strong><br \/>\n<strong>2019 w\u00fcrdigte ihn die Stadt f\u00fcr seine Leistungen im Dienste der Natur und der Menschen mit der Benennung der &#8220;Anton-Klein-Gasse&#8221; als \u201eUmweltsch\u00fctzer, Polizist, Initiator des Nationalparks Donau-Auen, Gr\u00fcnder und Leiter des Lobau-Museums\u201c.&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><em>Titelfoto: Robert Eichert. Fotos im Bericht: Archiv Lobaumuseum, Privatarchiv Anton Klein, Manfred Christ, ORF Screenshot &#8220;In eigener Sache&#8221; 16. Juli 1972.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anton Klein wurde am 22. Juli 1925 in Wien geboren und verbrachte seine Jugend in Erdberg, dem 3. Wiener Gemeindebezirk. Seine Naturbegeisterung nahm im Alter von knapp sechs Jahren ihren Anfang, als der kleine Toni in einer Tierhandlung einen Europ\u00e4ischen Hundsfisch zu Gesicht bekam. Er sollte ihm fortan nicht mehr aus dem Kopf gehen. Immer wieder zog er seinen Vater zu dieser Tierhandlung, bis dieser schlie\u00dflich nachgab und den Fisch erwarb. 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