{"id":1318,"date":"2017-08-11T13:23:36","date_gmt":"2017-08-11T11:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/?p=1318"},"modified":"2020-05-05T20:47:54","modified_gmt":"2020-05-05T18:47:54","slug":"legendaerer-foerster-ernst-zecha-gestorben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/legendaerer-foerster-ernst-zecha-gestorben\/","title":{"rendered":"2017: Ernst Zecha, ein legend\u00e4rer Lobauf\u00f6rster"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1326 alignleft\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/51fihOSQhqL.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"354\">Oberf\u00f6rster Ernst Zecha ist am 29. Juni 2017 im 99. Lebensjahr verstorben. Er war jahrzehntelang f\u00fcr die Lobau verantwortlich und ist dabei zur Legende geworden. Mit dem 1998 erschienenen Buch \u201eHirsche in der Lobau \u2013 Aufzeichnungen aus den Donauauen\u201c wurde er weit \u00fcber sein Revier hinaus bekannt.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie Vorstellung, in einer Kanzlei zu versauern, war mir unertr\u00e4glich; ich wollte drau\u00dfen sein, wollte in der Praxis t\u00e4tig sein, etwas anderes w\u00e4re \u00fcberhaupt nie in Frage gekommen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Norbert Sendor, gemeinsam mit seinem Freund Franz Antonicek seit Anfang der 1950er-Jahre in den Donauauen als Tierfotograf unterwegs, erinnert sich:<\/p>\n<p><em>\u201eMeine erste Begegnung mit Ernst Zecha muss um 1960 gewesen sein. Es war jedenfalls kurz nachdem er die Lobau \u00fcbernommen hatte. Der Antonicek Franzi und ich kannten das Revier bereits sehr gut, Zecha musste sich erst einarbeiten, was ihm aber schnell gelang.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ernst Zecha stammte aus einer F\u00f6rsterfamilie, in der schon der Urgro\u00dfvater, der Gro\u00dfvater und der Vater in diesem Beruf t\u00e4tig waren. Er war auch ein leidenschaftlicher J\u00e4ger. Seine Laufbahn begann, als er im Alter von 15 Jahren die Aufnahmepr\u00fcfung in eine H\u00f6here Forstlehranstalt bestand.<\/p>\n<p>Sendor: <em>\u201eZecha hatte zu Beginn sein Reich weitestgehend f\u00fcr sich. Der Antonicek Franzi und ich geh\u00f6rten zu den wenigen, die ihm leichten \u00c4rger bereiteten. Wir bauten uns n\u00e4mlich verdeckte Ansitze zum Fotografieren. Aber so gut diese auch getarnt waren, nach wenigen Tagen waren sie zerst\u00f6rt, meistens abgebrannt. Wir wussten nat\u00fcrlich, wer sie zerst\u00f6rt hatte und Ernst Zecha wusste, wer sie gebaut hatte. Da er uns nie in flagranti erwischte, kamen wir ungeschoren davon.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDieser Zustand war jedenfalls unbefriedigend und so schlug ich vor, mit ihm das Gespr\u00e4ch zu suchen. So trafen wir uns also und schlugen ihm einen Tauschhandel vor: Wir w\u00fcrden uns an seine Anordnungen halten, bek\u00e4men daf\u00fcr aber die Erlaubnis, unsere Foto-Deckungen zu bauen und sie zu vereinbarten Zeiten auch zu ben\u00fctzen. Diese Vereinbarung hielt \u00fcber Jahrzehnte.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIn der Folge hatten wir ein gutes, sp\u00e4ter fast freundschaftliches Verh\u00e4ltnis zu unserem Oberf\u00f6rster. Ich glaube, dass wir fast mehr Privilegien hatten als der damalige Jagdp\u00e4chter, dem Zecha offenbar sehr zusetzte.\u201c<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1321 alignright\" src=\"http:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/DSCN4311-Ausschnitt.jpg\" alt=\"\" width=\"394\" height=\"583\" srcset=\"https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/DSCN4311-Ausschnitt.jpg 1837w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/DSCN4311-Ausschnitt-203x300.jpg 203w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/DSCN4311-Ausschnitt-768x1138.jpg 768w, https:\/\/www.lobaumuseum.wien\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/DSCN4311-Ausschnitt-691x1024.jpg 691w\" sizes=\"auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><\/em><\/p>\n<p>Wie sehr er mit seinem Revier und seinem Wild verbunden war, zeigt eine Episode, an die Norbert Sendor gut im Ged\u00e4chtnis geblieben ist:<\/p>\n<p><em>\u201eZecha war bereits lange in Pension und an die neunzig Jahre alt, als der Franzi und ich ihn sprechen wollten, jedoch nur seine Gattin erreichten. Sie sagte uns, w\u00e4hrend der Hirschbrunft sei ihr Mann nat\u00fcrlich bis weit \u00fcber Mitternacht im Revier, sie w\u00fcrde ihn bestenfalls zum Mittagessen wiedersehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In den Kreisen der Waldl\u00e4ufer und Naturfreunde galt Oberf\u00f6rster Zecha als \u201estreng, aber sehr korrekt\u201c.<\/p>\n<p>Norbert Sendor: <em>\u201eIch traf ihn einmal, als er gerade ein Paar abgemahnt hatte, das einen K\u00fcbel voll Weinbergschnecken gesammelt hatte. Er ordnete an, die Schnecken an die Fundorte zur\u00fcck zu bringen und sie keinesfalls auf einem Fleck auszusch\u00fctten. Das Gespr\u00e4ch w\u00e4hrte nur kurz und er verabschiedete sich gleich wieder, weil er noch pr\u00fcfen m\u00fcsse, ob die Leute seine Anordnung befolgen w\u00fcrden. Wenn nicht, w\u00fcrden sie eine Anzeige bekommen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ernst Zecha radelte bis weit nach seinem 90. Lebensjahr auf einem alten Dienstfahrrad in Begleitung seines Hundes durch die Lobau.<\/p>\n<p>Sendor: <em>\u201eZu erw\u00e4hnen ist noch, dass der Franzi und ich uns mit Zecha schon Gedanken \u00fcber seinen hundertsten Geburtstag machten. Leider kam es nicht mehr dazu. Der Franzi verabschiedete sich schon lange vor der Zeit, Zecha kam immerhin bis in die Zielgerade.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oberf\u00f6rster Ernst Zecha ist am 29. Juni 2017 im 99. Lebensjahr verstorben. Er war jahrzehntelang f\u00fcr die Lobau verantwortlich und ist dabei zur Legende geworden. 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