Präsident des Wiener Naturschutzbundes gestorben

Am 16. August 2017 ist Ing. Hannes Minich, Förster im Ruhestand und als jahrzehntelanger Präsident des Wiener Naturschutzbundes gewissermaßen eine Institution, im 72. Lebensjahr überraschend an einem Herzinfarkt verstorben.

Foto: NÖ Naturschutzbund (2005)

Minich hat seit den 1970er-Jahren für die von Politikern tausend Mal versprochene, aber bis heute nicht vollständige durchgeführte Schließung des Wiener Wald- und Wiesengürtels gekämpft.

Als er 2013 – anlässlich des 100jährigen Bestehens des Österreichischen Naturschutzbundes – nach seinem größten Wunsch gefragt wurde, antwortete er:

„Ein Gespräch mit Bürgermeister Michael Häupl, wie und wann das vom Wiener Gemeinderat beschlossene Maßnahmenpaket zur Sicherung des überregionalen Grün- und Freiraumsystems für Wien umgesetzt wird – der 1.000-Hektar-Plan zur Ergänzung des gesetzlich geschützten Wald- und Wiesengürtels. So hat es die Stadt beschlossen!“

Wolfgang Adler – Hannes Minich – Werner Lazowski (2016)

Für den Botaniker Werner Lazowski, Vizepräsident des Vereins Lobaumuseum, war Hannes Minich „der personifizierte „klassische“ Naturschutz Wiens.“

Lazowski: „Der Hannes Minich war ein Original. Für den Naturschutz in Wien hat er wahrscheinlich mehr bewirkt, als uns bewusst ist. Ich denke da an die Steinhofgründe und vieles mehr. Er versuchte, die ursprüngliche Konzeption des Wald- und Wiesengürtels in unsere Zeit zu übertragen. 1978 hat er wohl maßgeblich an der Unterschutzstellung der Lobau mitgewirkt.“

Minich leitete von 1974 bis Ende 1978 die Umweltschutzabteilung der Stadt Wien. Der Ökologe und Umweltschützer Peter Weish erinnert sich an diese turbulenten Jahre: „Hannes war unbestechlich – er stellte etliche Baustellen prominenter Personen im Wald- und Wiesengürtel ein. Seiner Zivilcourage „verdankte“ er schließlich die Versetzung als Förster in das Revier Lainz.“

Der Umweltschützer, Lokalhistoriker und ehemalige Bezirkspolitiker Robert Eichert ist Hannes Minich mehr als 30 Jahre lang immer wieder begegnet. Seine Erinnerungen erläutern dessen Persönlichkeit:

„Wir waren keine Freunde, aber wir kannten einander durch viele Gespräche. Und ich schätzte ihn. Nach Hainburg 1984 war ich zum ersten Mal bei einem der von Hannes Minich organisierten Vorträge in den Räumlichkeiten des Wiener Naturschutzbundes. Dann immer wieder, wenn mich

Minich und Robert Eichert (2016) Foto: Jutta Matysek

das Thema wirklich interessierte. Da ich leidenschaftlicher Sammler alter Fotos der Wiener Aulandschaften bin, durfte ich hier auch meinen Dia-Vortrag „Die Lobau in historischen Ansichten“ zeigen.“

„Er redete gern, glaube ich, und ich hörte ihm fast immer genauso gern zu, denn er hatte wirklich viel zu erzählen und zum Naturschutz in Wien und dessen Problematik natürlich so einiges zu sagen. Den Wiener Naturschutzbund hat er als Querdenker mitgeprägt. Des Öfteren erzählte er recht ausführlich und da konnte es schon mal etwas länger werden. Dann kam ich nicht umhin, ihn etwas einzubremsen oder ihn gar zu unterbrechen, um doch noch vor Mitternacht nach Hause zu kommen. Leider habe ich mir nur einen Bruchteil seiner Erzählungen gemerkt. Ich kannte eigentlich niemanden, der, so wie er, all das, was er jemals erlebt hat, so genau und auch noch nach Jahren abrufbar, in sich gespeichert hatte.“

Foto: Robert Eichert (2013)

„Beim Kampf um die Rettung der Lobau hat Hannes Minich schon in den 70er-Jahren – in den Tagen von Anton Kleins Aktion „Die Lobau darf nicht sterben!“ – mitgemischt. Da engagierte er sich bei der Jungen Generation der SPÖ. Im 22. Bezirk versuchten die Jung-Sozialisten scheinbar, ihre älteren Genossen für den Schutz der Lobau zu gewinnen – mit dabei die heutige Nationalratsabgeordnete Ruth Becher, die laut Hannes Minich seinerzeit Radausflüge in die Au organisiert hat. Minich selbst dürfte die 1978 in Kraft getretene „Lobauverordnung“ – also die gesetzliche Unterschutzstellung der Lobau – maßgeblich mitgestaltet, vielleicht sogar vorangetrieben haben.“

„2013 engagierte er sich in Zusammenarbeit mit der Klubobfrau der Donaustädter Grünen, Eva Hauk, und ihren Mitstreitern, zu denen auch ich gehörte, vehement für die Sicherung der Grünräume im Nord-Osten Wiens – zwischen Bisamberg und Lobau. An unserer Seite stand der bald darauf verstorbene Donaustädter Bezirksvorsteher Norbert Scheed. Ende 2013 kam es schließlich im Gemeinderat zu einem Beschluss für die Schaffung eines zusammenhängenden Natur- und Erholungsraums.“

 „Im Jänner 2017 lud mich Minich ein, im Wiener Naturschutzbund meinen Vortrag „Die Umweltgeschichte der Lobau in Bildern von 1800 bis heute“ zu halten. Leider war er dann an diesem Abend verhindert, was mich ein wenig grämte, da mir seine Meinung wichtig gewesen wäre.“

Während der Recherchen zu diesem Vortrag bat ich Herrn Ing. Minich Anfang des Jahres, ihn bei Gelegenheit zur Umweltgeschichte Wiens interviewen zu dürfen – und das Gespräch aufzuzeichnen. Er wollte leider nicht so recht. Ich war auch nicht hartnäckig genug und dachte mir: Frag ich ihn halt später nochmals. Jetzt ist es leider zu spät dafür. All seine Erinnerungen, sein Wissen und seine Erfahrungen hat er unwiderruflich mitgenommen …“

PDF Nachruf von Peter Weish

PDF Erinnerungen von Robert Eichert Sept 2017 ungekürzt

Offizieller Nachruf des Österreichischen Naturschutzbundes

Titelfoto zur Verfügung gestellt von Peter Weish (September 2010)

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